East Africa grows together

"Exchange Programme Tanzania 2012"

Am Anfang des Jahres existierte nur diese unausgereifte Idee, den Zusammenhalt und die Zukunft Ostafrikas in die Hände der nächsten Generation zu legen. Nachdem Mark und David, der Koordinator des Sponsorschaftsprojektes von der Divine Mission Ministries, mich in Tansania besuchen kamen, war die Idee eines Schüleraustausches zwischen beiden Organisationen eine bloße Spinnerei.

 

Vier Monate später ist aus dieser Spinnerei Wirklichkeit geworden. Nach vielen Vorbereitungstreffen und ständigem Kontakt nach Uganda, arbeitete ein Team aus einheimischen tansanischen Freiwilligen einen Seminarplan aus. Allein schon die Zusammenarbeit mit den jungen Tansaniern war eine unglaubliche Bereicherung für uns. Es wurde viel über die Inhalte der Workshops diskutiert und es war interessant zu hören, wie sie zu Vorurteilen, der East African Community und der Position der Jugendlichen in der Gesellschaft stehen. Es hat richtig Spaß gemacht in diesem engagierten Team zu arbeiten.
Am 23. April war es dann so weit. Bis zum 30. April verbrachten sechs Schüler aus Uganda, die momentan die Sekundarschule besuchen, eine Woche in Dar es Salaam und nahmen an einem Austauschseminar bei Watoto Wetu Tanzania teil. Jeder Schüler aus Uganda bekam einen Schüler von Watoto Wetu Tanzania als Partner zugelost. Gemeinsam arbeiteten die jeweiligen Partner im Team und waren füreinander verantwortlich. Während der Woche haben sich viele Freundschaften nicht nur unter den Teilnehmern entwickelt, sondern auch zwischen den restlichen Waisenkindern und den ugandischen Austauschschülern. Wir hatten nicht gedacht, dass die Kinder im Heim so offen auf die ugandischen Gäste zu gehen. Viele der Kinder sprechen im Vergleich zu den Ugandern sehr schlechtes Englisch, aber das war keineswegs ein Hindernis. Im Gegenteil, die Kinder haben die Chance genutzt, ihr Schulenglisch anzuwenden und zu verbessern, wodurch sie die befürchtete Sprachbarriere überwanden.

Schwerpunktthemen der Workshops waren kulturelle Unterschiede, Vorurteile, Straßenkinder, Kinderrechte und East African Community. Es hat uns beeindruckt, wie motiviert alle zwölf Schüler in die Workshops gegangen sind. Alle haben sich aktiv in die Gruppenarbeiten und Diskussionen eingebracht und eigene Ideen entwickelt.


Viel wichtiger waren allerdings die restlichen Programmpunkte, welche die Gruppendynamik förderten, das Selbstbewusstsein stärkten und den persönlichen Erfahrungsschatz der Kinder bereicherten. Als Eisbrecher nutzten wir zu Beginn Gruppenspiele, die den Jugendlichen viel Spaß bereiteten und den erwünschten Effekt mit sich brachten. Die Jugendlichen lernten sich besser kennen und kamen ins Gespräch. Absoluter Höhepunkt war allerdings das angesetzte Fußballspiel am 28. April. Die Seminarteilnehmer sollten mit Unterstützung einiger Mitarbeiter von Watoto Wetu Tanzania gegen die Fußballmannschaft des Heimes spielen. Bereits zu Beginn der Woche war dieses entscheidende Spiel Gesprächsthema Nummer eins. Untereinander wurden die Positionen der jeweiligen Spieler und Spieltaktiken ausführlich diskutiert. Nach einem 2:2 musste ein Elfmeterschießen das Spiel entscheiden. Schließlich gewann das Team von Watoto Wetu Tanzania das Spiel, obwohl es bis jetzt Unstimmigkeiten über die Rechtmäßigkeit des Sieges gibt.

Besonders aufregend für die Jugendlichen waren die geplanten Ausflüge nach Dar es Salaam und Bagamoyo. Am 26. April starteten wir morgens unsere kleine Stadttour. Zunächst besuchten wir das Nationalmuseum. Anschließend hatten die tansanischen Teilnehmer Zeit, ihre ugandischen Partner durch die Innenstadt zu führen. Mittags saßen wir in einem Fast Food Restaurant, was für die Jugendlichen eine willkommene Abwechslung zum täglichen Ugalina maharage (Maisbrei und Bohnen) war. Nachmittags machten wir noch einen Abstecher zum Strand. Die ugandischen Schüler sahen das erste Mal in ihrem Leben das Meer. Die Jugendlichen waren erstaunt über den hohen Salzgehalt des Wassers und die vielen außergewöhnlich geformten Muscheln. Die Stimmung war auf jeden Fall perfekt für die geplante Disco am Abend für alle Kinder im Waisenheim. Es wurde zu tansanischer und ugandischer Musik bis spät abends getanzt.

Der letzte Tag wurde genutzt, um gemeinsam nach Bagamoyo zu fahren. Bagamoyo ist eine der bedeutendsten historischen Schauplätze in Tanzania und es gab viel für die Jugendlichen zu entdecken. Vor allem die deutsche Kolonialvergangenheit hat Bagamoyo geprägt und ist überall gegenwärtig, sodass die Schüler viel über die deutsche Kolonialzeit lernten. Berühmt ist Bagamoyo aber auch für die Kaole Ruinen, die ebenfalls besichtigt wurden.
Hauptattraktion des Tages war eindeutig der Besuch der Krokodilfarm. Viele der Jugendlichen haben bis zu dem Zeitpunkt nie zuvor ein Krokodil gesehen und durften dann sogar bei der Fütterung zuschauen, was besonders spektakulär war.

Am Abend war es dann Zeit, sich zu verabschieden. Im Laufe der Woche haben sich so enge Freundschaften entwickelt, dass sogar einige weinen mussten. Wir werde auf jeden Fall versuchen, mit den Jugendlichen regelmäßig Emails nach Uganda zu senden, damit der Kontakt nicht abbricht.
Ziel ist es, dass die tansanischen Teilnehmer nächstes Jahr nach Kampala reisen. Für die zukünftige Fortsetzung dieses Programms haben sich schon Evance Tegete, der Direktor von Watoto Wetu Tanzania, und Godfrey Musisi, der Direktor von Divine Mission Ministries, den Grundstein gelegt. Gemeinsam haben sie Ideen gesammelt und den Ausbau des Projekts diskutiert. Die Vision der Beiden ist, Jugendliche in Ostafrika zu verbinden, um eine gemeinsame und harmonische Gesellschaft zu bilden. Mark und Nele haben es sich zum Ziel gesetzt, dieses Projekt weiterhin zu fördern, um den Jugendlichen Perspektiven zu geben und Ostafrika zu stärken.


Alles in Allem sind wir begeistert von der Umsetzung des Programms. Natürlich gibt es immer einige Dinge, die nicht gut klappen, aber das Hauptziel, den kulturellen Austausch zu fördern, wurde erreicht. Die Teilnehmer konnten so viele neue Erfahrungen und Eindrücke sammeln, von denen sie zukünftig Gebrauch machen können und die ihr Selbstbewusstsein stärken. Einer der tansanischen Jungs kam zu uns und meinte, dass er noch nie in so einem guten Restaurant wie bei der Stadttour gegessen habe. Ein anderer Junge erzählte uns, dass er das Zertifikat, das er am Ende des Seminars bekommen hat, seinem Vater zeigen werde. Das sind Erfahrungen, die dazu beitragen, dass die Jugendlichen stolz auf sich selbst sein können. Vor allem die schwierigen familiären Hintergründe der meisten Jugendlichen erfordert genügend Selbstsicherheit, um die Vergangenheit überwinden zu können. Das Austauschprogramm schafft es die Jugendlichen in dieser Hinsicht zu stärken.

Ich bin unglaublich stolz auf alle Teilnehmer und möchte mich an dieser Stelle an alle Freunde und Verwandte von Walter Krüger, der Freistil Gemeinde Burgwedel, Mark Ballandies und Rosita Jentsch bedanken, die dieses Programm erst ermöglich haben.